Überall in den Medien ist der Coronavirus das Hauptthema, sei es im Radio, im Fernsehprogramm oder in der Zeitung. Und ich stimme zu, Achtung vor dem Virus sollte man in jedem Fall haben. Deshalb eines vorweg: Ich halte die Schulschließungen für eine richtige Maßnahme. Ich befürworte die Entscheidung des Ministerpräsidenten Söder und habe sehr großen Respekt davor. Viele Menschen befinden sich in der Schule auf engem Raum, die Infektionsketten sind in der Menge auch nicht mehr nachvollziehbar. Wichtig ist die Verbreitung des Virus zu bremsen. Dass die bayerischen Schulen also irgendwann geschlossen würden war abzusehen. Was ganz und gar nicht abzusehen war ist das Fehlen eines genauen Handlungsplans für die Schulen.

Erst freitagmorgens wusste man an den Schulen, dass es Schulschließungen geben wird. Und trotz der Pressekonferenz stehen immer noch viele Fragen im Raum: Gibt es digitalen Unterricht und wenn ja, wie sieht das genau aus? Wie kommen die Schülerinnen und Schüler sicher an ihre Unterrichtsmaterialien? Wird der Unterricht nachgeholt? Und wie steht es eigentlich um die Abiturienten, schließlich beginnen Ende April die Prüfungen? Angeblich sollen ja Abiturienten und Abschlussklassen keinen Nachteil haben. Man weiß nur noch nicht genau wie die Lösung dafür aussieht. Am Abend des Vortages wurden dann noch ganz hektisch die Server für die digitale Lernplattform “mebis” aufgestockt. Die liefen bisher schon bei leichter Mehrbelastung viel zu langsam, wie die Erfahrung aus dem Schulalltag zeigt. Und jetzt soll das System, das zuvor nur vereinzelt eingesetzt wurde, alle bayerischen Schüler aushalten. Ob die neuen Server überhaupt reichen werden weiß auch niemand. Es scheint also fast so als wäre die Entscheidung zur Schulschließung getroffen worden, ohne einen Handlungsplan anzubieten. Deshalb gilt mal wieder: Wie die Probleme in der Situation gelöst werden, das ist Schulsache.

Um alles einmal zusammenzufassen: Die landesweite Schulschließung ist richtig. Nicht richtig ist, wie die Schulen geschlossen wurden. Die Antworten auf alle offenen Fragen lauten entweder: “Das muss jede Schule selbst lösen!” oder “Weiß man nicht.” Ist es da verwerflich zu vermuten, dass sich niemand in der Staatsregierung im Vorfeld auf diese Situation richtig vorbereitet hat?

Nun ist es einmal so wie es ist. Wir am Gymnasium Pfarrkirchen sind zumindest hervorragend gerüstet und wir werden das auch gut durchstehen. Aber für mich als Teil des Abiturjahrgangs ist es besonders schlimm, keine Ahnung zu haben, wie es weitergeht. Natürlich kommt da auch Unsicherheit im ganzen Jahrgang auf. Noch fehlt uns sehr viel Übung in den Abiturfächer, das ist Fakt. Deshalb werden wir Lerngruppen einrichten, in denen wir uns gegenseitig unterstützen können. Die Planung wird zwar enorm aufwendig, jetzt heißt es aber: Wir verdauen den ersten Schock über das Wochenende und ab Montag wird wieder geplant und gearbeitet. Vielleicht geht der Staatsregierung bis dahin auch mal ein Licht in Sachen Organisation auf.