Der Ausbruch des Corona-Virus stellt zweifelsfrei eine sehr große Belastung für unser Gesundheitswesen und die deutsche Wirtschaft dar. Der Großteil des lokalen Einzelhandels ist geschlossen, ebenso stehen die Maschinen bei den meisten großen Industriefirmen still. Viele Arbeitnehmer plagt die Unsicherheit, ob und wann es für sie wieder weitergeht. Zu Beginn möchte ich aber zunächst kurz erläutern, wieso man vorrangig den Firmen und weniger den einzelnen Menschen finanziell hilft.

Um das zu verstehen, muss man ein bisschen weiter in die Funktion unserer Marktwirtschaft eintauchen. Die Arbeitsplätze, um die es hier geht, bleiben nur erhalten, wenn die Unternehmen die Löhne und Gehälter bezahlen können. Können sie das nicht müssen sie Arbeitsplätze abbauen, um sich selbst über Wasser zu halten. Vorrangig betrifft das eben Familienbetriebe, an denen eine Existenz hängt. Auch hinter der Leitung einer Firma stehen Menschen - das wird oftmals vergessen.

Was folglich hermuss ist ein ordentlicher Plan, um alle Bereiche der Wirtschaft zu unterstützen, eben nicht nur die großen Firmen, sondern auch die kleinen Familienbetriebe und die Solo-Selbstständigen. Und dabei benötigen ohnehin gerade die Unterstützung, um mit dem Online-Handel mithalten zu können.‌‌ Nachfolgend will ich einige Maßnahmen aufzählen, die den Unternehmen und den Arbeitnehmern auch langfristig helfen und einer Rezession entgegenwirken würden.

Nachträgliche Steuersenkungen & antragsfreie Steuerrückzahlungen

Unternehmen brauchen jetzt schnell und unkompliziert Geld, um offene Rechnungen und die Kosten des laufenden Betriebes begleichen zu können. Über die KfW abgesicherte Kredite sind ein Mittel, das erst relativ spät wirkt. Was kurzfristig und sofort helfen würde wären nachträgliche Steuersenkungen. Die Finanzämter müssten also sofort einen Teil der im letzten Jahr gezahlten Steuer zurückzahlen.

Was würde das nun bringen, es gibt ja schließlich schon die Soforthilfe des Bundes? Das ist relativ einfach zu erklären: Die Soforthilfe richtet sich nach der Anzahl der Angestellten. Das Problem dabei wird ersichtlich, wenn man - als Beispiel - einen Elektrikerbetrieb mit einem Bekleidungsgeschäft vergleicht. Beide haben Umsatzausfälle, der Elektriker, weil Ihm unter Umständen das gesundheitliche Risiko zu groß ist oder er genau deshalb weniger Aufträge bekommt, das Bekleidungsgeschäft, weil es schließen muss.

Das Bekleidungsgeschäft hat aber bereits eine reguläre Vororder abgegeben und die entsprechenden Stücke bestellt. Die meisten Lieferanten hören aber - trotz Corona - nicht auf, Rechnungen auszustellen. Beide Betriebe unterschieden sich außerdem Stark im Warenwert und folglich auch im Umsatz.

Während also dem Handwerksbetrieb die Soforthilfe vielleicht kurzfristig hilft, ist genau die für das Bekleidungsgeschäft - genauso wie für den Großteil des Einzelhandels - ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine rückwirkende Steuersenkung wäre um einiges fairer und würde entsprechenden Betrieben mehr helfen.

Kultur fördern - um sie nach Corona nicht zu verlieren

Viele Kunst-, Film- und andere Kulturprojekte können nicht mehr ungehindert weitermachen. Die meisten davon sind ohnehin schon auf staatliche Förderungen angewiesen, werden aber bei den Corona-Maßnahmen völlig vernachlässigt. Es braucht einen Plan, wie man genau diese Projekte erhalten kann.

Zur Kultur gehören aber auch Clubs, Bars und andere soziale Begegnungsorte. Öffnen kann man sie nicht so schnell wieder, das Infektionsrisiko ist ja gerade da am größten. Es bedarf gesonderten Förderungen dieser Einrichtungen, also individueller Finanzhilfe in Abstimmung mit den jeweiligen Betreibern, damit diese auch nach Corona ihre Pforten wieder öffnen können.

Einführung der CO2-Steuer aufschieben

Egal was man von dem beschlossenen Emissionshandel halten mag: Eine Einführung zum Beginn 2021 würde dafür sorgen, dass die Preise der meisten Produkte steigen.

Und dabei wissen wir alle, dass die derzeitige Krise nicht spurlos an uns vorbeigehen wird und die Auswirkungen davon noch lange spürbar sein werden. Wie man es da für eine gute Idee halten kann, die Preise mit einer CO2-Steuer nach oben zu treiben, ist mir ein Rätsel. In meinen Augen ist die Einführung eines ordentlichen Emissionshandels unerlässlich - aber mit einem funktionierenden System und nicht 2021.


Letztendlich dürfen wir aber eines nicht vergessen: Es geht um unsere Gesundheit. Die Wirtschaft darf nie einen höheren Stellenwert als die Gesundheit des Einzelnen bekommen. Die Schließungen waren und sind unerlässlich. Und wichtig ist auch, dass die Einführung der bereits bestehenden Maßnahmen nicht durch eine politische Debatte behindert oder verzögert wurde. Jetzt müssen wir uns aber langsam Gedanken machen wie wir nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig Existenzen sichern.

Bleiben Sie gesund!