Lange wurde ja bereits über die Corona-Lockerungen diskutiert. Gerade der Druck seitens der Eltern- und Lehrerverbände auf das Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat zugenommen. Mittlerweile sind die Abschlussklassen, die Q11 und die Viertklässler wieder in der Schule, darunter auch ich. Wie die Öffnung bisher abgelaufen ist, davon will ich berichten.

Grundsätzlich gilt eines, das vorweg geklärt werden muss: Diese Situation ist für die Schülerinnen und Schüler ohnehin eine enorme Belastung. Am "ersten Schultag" nach Corona darf man sich nicht einmal in den Arm nehmen, sich nicht begrüßen, sich nicht auf unter 1,5 m annähern.
Wer glaubt, dass mit Öffnungen alle Probleme gelöst würden, der irrt also. Die Kinder dürfen - vor allem die jüngeren in der Kita - nicht miteinander spielen, sie müssen sich mit sich selbst beschäftigen. Neben ihnen sitzen ihre Freunde, sie werden jederzeit daran erinnert, dass sich die Situation nicht auf absehbare Zeit verbessern wird. Das ist nur eine Belastung. Den Kindern fehlt noch schlicht das Verständnis.

Aber zurück zu meinem Erfahrungsbericht. Wir als Abschlussjahrgang mussten wieder als Erstes in den Präsenzunterricht. Im Allgemeinen hat sich schon in der Vorwoche angedeutet, dass die Schulöffnung wieder eine für Piazolo typische planlose Anweisung wird. Schnell musste jede Schule ein eigenes Hygienekonzept erarbeiten, bei Rückfragen beim Kultusministerium bekam man nur unklare Antworten. Die Planlosigkeit, die hat dann dazu geführt, dass es an den meisten Schulen zunächst beispielsweise kein Desinfektionsmittel gab. Kaltwasser und Seife reicht ja laut Kultusministerium aus. Und ein gemeinsam benutztes Handtuch. Pausen wurden vielerorts abgeschafft, das Klassenzimmer darf nur verlassen, wer auf die Toilette muss. Auch die Sorgfalt in der Einhaltung nimmt immer mehr ab, auf allen Seiten. Immer wieder wird die Maskenpflicht von einzelnen ignoriert, werden nicht alle Eingänge ins Schulgebäude geöffnet und werden die Lüftungspausen missachtet.

Obwohl es für uns schon schwer ist sich aus dem Weg zu gehen, musste die kurz darauf erlassene Anweisung, den Rest der Schüler auch wieder in Präsenz zu beschulen, natürlich trotzdem umgesetzt werden. Seit Montag leistet uns die Q11 wieder Gesellschaft. Im Gegensatz zu uns haben die allerdings wieder fast ihren vollen Stundenplan. Sprich dreimal wöchentlich auch nachmittags Unterricht. Ohne Zwischenpausen, dafür wöchentlich 6 Schulstunden Mathematik und 6 Schulstunden Deutsch. Das will wohl wirklich niemand.

Wir alle waren eigentlich der Auffassung, dass der Präsenzunterricht zumindest wieder besser funktioniert als die Online-Stunden. Aber wir haben uns getäuscht. Arbeitsblätter austeilen geht ja fast nicht, mittlerweile wird das aber trotzdem gemacht. Was sollte man denn auch sonst tun, was wäre denn die Alternative?

Immerhin erfährt man in den eigentlich verbotenen Ganggespräche (an das Verbot halten sich im Übrigen die wenigsten) dann etwas über die hervorragend geplante Schülerbeförderung. Da könnte ich unendlich viele Beispiele anführen, hier aber nur eines: Es gibt für den ländlichen Raum einen Zulieferbus mit sieben Sitzen. Der ist aktuell belegt mit sieben Schülern. Also voll besetzt. Offensichtlich existiert Corona also nicht im Schulbus. Das ist mir zwar neu, aber Herr Piazolo weiß sicher was er da tut.

Gezeigt hat sich also eines: Das Vorgehen des Kultusministeriums ist absolut planlos. Für den Schulstart der Q11 am Montag wurden erst am Freitag die entsprechenden Schreiben des Kultusministeriums herausgegeben. Wurde das denn wenigstens sorgfältig ausgearbeitet? Ich denke, die Antwort darauf kennen Sie schon. Die Schulöffnung ist nichts anderes als ein völliges Chaos.